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Ich hasse Einkaufen!

Ich hasse Einkaufen! © pixabay.com

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POS kompakt - Ausgabe 04/2011

... oder: mein ganz persönlicher Samstags-Frust. Angeblich sollen es Frauen lieben Einkaufen zu gehen, was ich von mir nicht sagen kann, denn Einkaufen ist etwas was ich gar nicht mag, weil es immer etwas gibt das einem das sogenannte Einkaufserlebnis (?) vermiesen kann.


Da ich ja, wie man so schön sagt, Vollzeit berufstätig bin, d.h. die meiste Zeit des Tages, bleibt mir – Arbeitgeber sei Dank – kaum Zeit fürs Einkaufen, was den Nachteil hat, ich fürchte mich vor jedem Samstagmorgen. Der Supermarkt meines Vertrauens – hier bekomme ich alles – mehrere Läden nach Sonderangeboten aus der Werbung anzusteuern, ginge wirklich über meine Kräfte. Das Portemonnaie ist voller Kleingeld – nur nicht am Samstag – da ist kein Euro für den Einkaufswagen zu finden. Mit einem Einkaufszettel ausgerüstet, damit es auch ja schnell geht, gehe ich in diesem Sinne frohen Mutes durch die sich von Zauberhand öffnende Tür, damit mir gleich ein Schwall warmer verbrauchter Luft und eine Lärmkulisse wie im Fußballstadion entgegenschlägt. Ich kämpfe mich durch diese Wolke, durch bereits wahre Menschenmassen – stehen denn alle am Samstagmorgen schon vor Mittag auf – und sind alle Vollzeit?

Ich verstehe die Einkaufsgewohnheiten der Menschen eh nicht. Müssen denn alle zur gleichen Zeit einkaufen? Und da erzähl mit noch einer was von Glückhormonen, die beim Einkaufen ausgeschüttet werden – oder habe ich da was missverstanden? Ich bin sowieso nicht gut im Einkaufen. Mir mangelt es wahrscheinlich an der genetischen Grundlage. Organisieren oder das Finden von Lösungen für allerlei Probleme ist überhaupt keine Schwierigkeit, aber einkaufen für den täglichen Bedarf fällt mir einfach schwer. Gut dass ich meinen Einkaufszettel habe. Da ich wie gesagt, gut im Organisieren bin, habe ich meine Einkaufsliste so gestaltet, dass ich das was ich benötige schon grob in der Reihenfolge der Regale angeordnet habe. Das ging jetzt auch viele Samstage gut – dieser gehört definitiv nicht mehr dazu. Ich finde es toll, wenn einkaufen abwechslungsreich gestaltet wird, zu einem Erlebnis werden soll – aber es soll doch nicht gleich zum Überlebenstraining werden. Statt meiner Creme finde ich an dieser Stelle jetzt etwas gegen Katzenflöhe? Das fängt ja gut an. Verwirrt suche ich nach dem Creme-Regal – haben wir Ostern?

Wo sind die freundlichen guten Geister in ihren weißen Kitteln mit Ihrem Namen drauf, die im Eingang auf einer Tafel abgebildet sind und große Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft vermitteln: fragen Sie uns – wir helfen gern. Vielleicht helfen sie gerade wo anders. Ich werde zwei Regalreihen weiter fündig und erkundige mich freundlich nach meiner Creme: die genervte Antwort: da sind Sie gerade dran vorbeigelaufen! Entschuldigung, dass ich gestört habe – bei was auch immer.

Um das zu vermeiden, sollte man vielleicht eine Supermarkt-Wege-Wanderkarte gleich mit allen interessanten Angeboten bildlich auf einer Route dargestellt am Eingang ausgeben! Die Umgestaltung des Marktes ist sehr gelungen, jedoch sind irgendwie die Hinweisschilder nicht so schnell hinterhergekommen. Manchmal frage ich mich schon, nach welcher Logik die Supermärkte eingerichtet werden, da findet man Babyartikel neben Tiernahrung, Kosmetik-Tücher beim Waschpulver, das aktuelle Topfblumenangebot zwischen der Schokolade. Kann man nicht wirklich konsequenter Warengruppenbezogen anordnen? Warum steht das, was man wirklich immer benötigt ganz oben oder ganz unten! Wozu braucht man noch Fitnessstudios – man hat doch den Samstagseinkauf.

Meine heißgeliebten Kaffeepads – meine Droge – hoffentlich finde ich sie am alten Platz. Vor dem Regal stehen eine Menge Leute – gibt's was umsonst oder parken die hier? Frage freundlich mit einem mittlerweile gezwungenen Lächeln: „Darf ich mal kurz ran?" und werde mit bösen Blicken angeguckt. Sorry ich störe beim Samstags-Vormittags-Plausch-Treff vorm Kaffeeregal – ist das der schmalste Gang oder sehe ich schon alles zu eng! Und dann auch noch das: keine Cappuccino-Cafe-Pads mehr da. Schaue in sämtliche dunkle Höhlen des ziemlich ausverkauften Regals – springe hoch, wow – das kann ich NOCH - um auch auf den obersten Boden schauen zu können – da: ganz hinten steht noch eine Packung. Das ist MEINE!!!! Ich denke, ich bin noch ganz fit und fühle mich in den besten Jahren, dabei gehöre ich neuerdings schon zu einer Generation die man Best Ager (auch Generation Gold, Generation 50plus, Silver Ager, Golden Ager, "over 50s") nennt, aber jetzt komme ich mir vor wie „over 80s".

Wie komme ich denn jetzt da ran? Meine parkenden (lt. der Studien) „Altersgenossen" werden zutraulicher, sie haben die gleichen Probleme. Es hagelt gute Tipps – aber nur theoretisch. Gott sei Dank, da kann ich gleich Akrobatin im Zirkus werden. Finde einen ziemlich missmutig gelaunten Leidensgenossen, aber er ist immerhin mind. 1,90 m groß - weiß nicht in welche Generation er gehört, jedenfalls noch lange nicht in meine - der mir widerwillig hilft. Dabei könnte alles so einfach sein. Wann gibt es endlich die angepriesenen Einkaufsoasen, die Erlebniseinkäufe, die Wohlfühlatmosphäre?

Wann müssen wir nicht mehr in die dunklen Nischen der Regale kriechen, um noch die letzte Packung zu finden? Wann muss man nicht mehr missmutige 190 cm Jungs ansprechen um nach der Waren ganz oben zu greifen? Wann sieht man endlich die Warenangebote auf einen Blick? Wann muss ich nicht erst die Weinflaschen sortieren um meinen Lieblingswein irgendwo ganz hinten dazwischen zu finden oder schlimmstenfalls gar nicht? Wann fällt man nicht mehr fast in die Tiefkühltruhe um nach der letzten Pizza zu fischen? Wie heißt es im Internet so schön unter Warenpräsentation: Wichtiges Marketinginstrument im Handel: Bezeichnung für die Art, wie der Kontakt zwischen Ware und potenziellem Käufer hergestellt wird. Ich glaube, da bestehen immer noch gewaltige Kontaktschwierigkeiten.

Leute: zeigt euren Kunden die Waren und lasst sie an die Waren auch rankommen – dann klappt's auch mit dem kaufen! Dann stehen im Internet keine 467.000 Ergebnisse mehr unter der Eingabe „Ich hasse einkaufen". Ich wünsche allen Lesern einen erlebnisreichen Samstags-Einkauf.

Elke Reineke, Marketingleitung, POS TUNING

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