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Zu Risiken und Nebenwirkungen...

Zu Risiken und Nebenwirkungen... © pixabay.com

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POS kompakt - Ausgabe 06/2014

Sport ist gesund – ganz meine Meinung – jedoch besteht auch ein hohes Risiko, sich Verletzungen zuzufügen – es hat auch mich erwischt und ich liege und sitze nach meiner Meniskus-OP zu Hause rum – für mich eine Strafe. Selten hat man so viel Zeit, in Zeitschriften zu blättern und Werbung zu studieren, als wenn die eigene Gesundheit im Vordergrund steht.

In Zeitschriften lächeln mir von Sonderseiten zum Thema „Generation 50plus" strahlende Menschen entgegen, die weit jenseits der 50 und total fit sind, dank Mittelchen zum Thema „Vital ab 50" – gegen Haarausfall, Hitzewallungen und Schlafstörungen, Arthrose, Erkältungs- und Grippemittel (auch zur Vorbeugung) und hunderte andere Zipperlein, die einen plötzlich überfallen können. Gleich beim Lesen der wöchentlichen Beilage in der Tageszeitung stoße ich auf die Lösung für mein Problem: „Endlich schmerzfrei! Das Mittel bei Gelenkleiden", zwei Seiten weiter ein Mittel gegen Knieschmerzen, dicht gefolgt von mehreren Treppenlift-Werbungen. Ich werde unruhig (aber das wirksame Mittelchen gegen „Anspannung und Innere Unruhe" wartet auch schon auf der nächsten Seite). Nun hält mich nichts mehr auf dem Sofa: Mit meiner „mobilen" Shopping-Begleitung mache ich mich auf den Weg in den Supermarkt.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: „In den Kindersitz im Einkaufswagen passt Du aber nicht mehr rein..." Statt dessen nutzen wir einen bereitstehenden Rollstuhl („toller Service!") und ich lasse mich schieben. Endlich erreichen wir den OTCGang. Eigentlich wollte ich etwas für meine Gelenke und gegen die innere Unruhe. Doch angesichts von meterlangen Regalen, mit einem schier unüberschaubaren Angebot an Mittelchen für mein Wohlbefinden, bin ich überfordert und hilflos. Was steht wo und was ist wofür gut? Eine Ordnung passend zu meinem Befinden und meinen Bedürfnissen – Fehlanzeige! Soll ich jetzt etwa alle Packungsaufschriften lesen? Nee! „Du wirst alt, Mädel...", meine Shoppingbegleitung – mehr auf Augenhöhe der angebotenen Vielfalt – drückt mir eine Schachtel mit aufgedrucktem Lavendelzweig in die Hand. „Ich bin nicht alt", korrigiere ich. „Ich gehöre zu den Best Agern!" Best Ager – heute eine viel umworbene Klientel. Rund um diese Konsumentengruppe identifizieren Marketingexperten alters- und milieuspezifische Bedürfnisse, um entsprechende Angebote bereitzustellen und ihre Kaufkraft darzustellen. Best Ager gelten aufgrund ihres relativ hohenEinkommens als kaufkräftig und konsumfreudig. In immer mehr Studien wird ihr Kaufverhalten untersucht.

Für ihre Gesundheit greifen die Deutschen immer tiefer in die Tasche

Es geht um viel Geld: Für Mittel zur Gesundheitspflege, die sogenannten OTC-Produkte (Over the Counter-Produkte) greifen die Deutschen immer tiefer in die Tasche. Laut diversen Marktforschern werden für rezeptfreie Medikamente an die acht Milliarden Euro im Jahr ausgegeben. Best Ager investieren jetzt und auch zukünftig viel Geld, um gesund und fit zu bleiben und weiterhin aktiv am Leben teilzunehmen. Für Prophylaxe und OTC-Produkte sind sie eine feste Zielgruppe. Rezeptfreie/OTC-Produkte werden nicht mehr nur in Apotheken angeboten – eine schier unendliche Auswahl findet man auch in Drogerien und Supermärkten sowie immer mehr auch im Online-Handel. Da bekanntlich zwei Drittel aller Konsumenten ihre Kaufentscheidung direkt am Point of Sale (also am Regal) treffen, kaufen sie OTC-Produkte zumeist aus einer momentanen Gefühlslage wie ihrem gesundheitlichen Befinden heraus und suchen daher die schnelle Verfügbarkeit. Gute Ansätze bietet das Projekt „Category Management in der Apotheke" der GS1 Germany, in dem neue Regalüberschriften definiert wurden und bei der Platzierung jeweils zwischen Markenblöcken und Indikationsgruppen unterschieden wird. Dabei stand allem voran die leichte Orientierung für den Kunden und die Optimierung des Kauferlebnisses.

Da Arzneimittel-Kauf aber immer noch eine „Vertrauenssache" ist, spielt neben dem Vertrauen in das Produkt auch die Qualität und die Zufriedenheit in die Einkaufsstätte eine entscheidende Rolle – egal ob im Supermarkt, in der Drogerie oder in der Apotheke. Gerade im OTC-Bereich löst ein gewisser „Leidensdruck" den Kaufimpuls aus. Eine gut sicht- und greifbare Warenpräsentation, sortiert nach Anwendungsbereichen und auch für Personen mit Handicap leicht zugänglich, trägt das ihre dazu bei, dem Konsumenten das „Wohlfühlen" schon beim Einkauf zu bieten. Medien, insbesondere Zeitschriften und Zeitungen, sind für 39 Prozent der Empfehlungskäufer die Informationsquelle bei Gesundheitsfragen. Lediglich zehn Prozent der OTC-Käufer verzichten darauf, sich im Vorfeld zu informieren und kaufen spontan. 64 Prozent dieser Spontankäufer gehen bei den meisten leichten Beschwerden nicht zum Arzt, sondern holen sich selbst rezeptfreie Medikamente beziehungsweise Vitamin- und Mineralstoffpräparate in der Apotheke oder Drogerie. Dieser Mitnahmetrend ist neben dem zunehmenden Onlinegeschäft eine weitere Entwicklung, die Pharma-Experten beobachten (Quelle: Healthcare Marketing 4/2014).

Da ich meine Gesundheit nicht nur aus dem OTC-Regal schöpfen möchte, werde ich bald wieder meine Kraft, Ruhe und hoffentlich viel Gesundheit aus dem Wandern im Wald schöpfen und auf eine gesunde Ernährung achten. Ich werde Sport treiben, denn Sport ist die Allzweckwaffe gegen Verschleiß, erhöht die Gesundheit und fördert vor allem auch die geistige Fitness. Denn ich will noch lange nicht nur ein Best Ager sein, sondern ein „Bester" Ager. Und Ihnen, liebe Shopper wünsche ich auf jeden Fall ein Happy Shopping bei bester Gesundheit!

Elke Reineke, Marketingleitung POS TUNING

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