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Gelegenheit macht Diebe

Gelegenheit macht Diebe © POS TUNING Udo Voßhenrich GmbH & Co. KG

Foto: Copyright: POS TUNING
POS-Kompakt 01/2015

Die deutschen Händler „verlieren“ jährlich Waren im Wert von ca. 3,9 Mrd. Euro, einen Großteil davon durch Diebstahl. Das macht im Mittel 26 Euro pro Bundesbürger bzw. 2 Packungen Rasierklingen oder fünf Packungen Zigaretten. Oder noch anders dargestellt: Rund jeder 200. Einkaufswagen geht unbezahlt durch die Kasse. Noch anders ausgedrückt: Bei ca. 370.000 Einzelhandelsgeschäften entstehen jedem Händler im Schnitt 10.500 Euro Schaden pro Jahr.

„Wo sind denn schon wieder die ganzen Rasierklingen? Wir haben doch erst vor drei Tagen eine Lieferung bekommen und jetzt sind alle weg. Da haben wir es ja! Über den Wareneingang sind 20 verbucht, über die Kasse sind nur 12 gegangen. Ist die Ware vielleicht nicht komplett verräumt worden? Nein, im Filiallager sind sie auch nicht. Also: Geklaut! Aber wer? Acht fehlende VE’s, das wäre im Wareneingang sicher aufgefallen, der Lieferant kann es also nicht gewesen sein. Etwa die eigenen Mitarbeiter? Das kann doch nicht sein! Die kenne ich alle schon seit Jahren. Dann bleiben ja nur die Kunden! Da war doch gestern dieser Typ mit der Kapuzenjacke, der war es bestimmt!“

Nicht nur das die Ware weg ist, das Vertrauen in die Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden ebenso. Der erste Impuls: Wenn ich schon beklaut werde, dann will ich wenigstens wissen von wem – und am liebsten möchte ich die Diebe direkt an Ort und Stelle dingfest machen. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass Kameraüberwachung die Liste der Anti-Diebstahlmaßnahmen anführt. Doch Diebe mit der Kamera zu fangen ist gar nicht so einfach wie es im ersten Moment scheint. Welcher Händler hat schon dauerhaft einen Sicherheitsdienst, der live die Kamerabilder auswertet und dann seine Ladendetektive zu auffälligen Kunden schicken kann? Also bleibt vielen nur die Auswertung der Kameradaten, wenn ein Diebstahl vermutet wird. Das Problem dabei ist, dass der größte Schaden durch organisierten Bandendiebstahl entsteht.

Ähnlich wie früher die Wikinger fallen die Diebeshorden im Laden ein und raffen in Windeseile das begehrte Diebesgut in die eigens dafür mitgebrachten, großvolumigen Diebstahltaschen. Eine solche Aktion dauert nur ein paar Sekunden, der Schaden ist groß und die Diebstahlnomaden ziehen mit quietschenden Reifen zum nächsten Einkaufsparadies. Eine Kamera hilft hier also nur bedingt. Auch die Schulung der Mitarbeiter kann hier höchstens darauf abzielen, Leib und Leben zu schützen und sich nicht heldenhaft in Gefahr zu begeben. Beim Ladendiebstahl ist es dabei wie beim Hauseinbruch: Je länger der Dieb braucht, bis er an die Begehrlichkeiten kommt, desto höher ist für ihn die Gefahr, entdeckt und geschnappt zu werden. Wenn für den Dieb also offensichtlich ist, dass die Ware seiner Wahl nur mit Aufwand zu bekommen ist, steigen schon einmal die Chancen, dass der Dieb diese Einkaufsstätte meidet. Die Lösung ist also ganz einfach: „Klaurenner“ werden sichtbar gesichert, am Besten „hinter Gittern“. Die Lösung hat nur einen Haken – sie hindert auch den ehrlichen Käufer am freien Griff zur Ware. Händler berichten, dass durch den Einsatz von Warenausgabeautomaten der Absatz der dort verstauten Produkte bis zu 40 Prozent einbrechen kann. Tauscht der Händler die Echtware gegen Karten aus, die der Kunde dann nach dem Bezahlen an einem Automaten gegen Echtware tauschen kann, läuft er gar Gefahr, bis zu 60 Prozent seines Absatzes mit diesen Produkten einzubüßen. Doch der fehlende freie Zugriff ist nicht der einzige Grund für den Absatzeinbruch.

„Aus den Augen, aus dem Sinn“ Sobald die Ware aus der offenen Verkaufsfläche verschwindet, ist eine Disposition auf Sicht nicht mehr möglich. Feste Verräumzyklen und Ordersätze führen dazu, dass die Out-of- Stock-Quote bei diesen Artikeln deutlich steigt – im schlimmsten Fall sind die Einbußen durch den fehlenden Absatz schlimmer als der Verlust durch Diebstahl. Wenn also die Ware schon aus dem Sichtbereich entfernt wird, dann müssen Methoden und/ oder Techniken zum Einsatz kommen, die die Verfügbarkeit der Ware sicherstellen. Dazu bindet man den Automaten optimalerweise als Lagerplatz in die Warenwirtschaft ein. Eine Bestandssensorik im Automaten bucht automatisch bei Verräumung Ware zu, durch Entnahme von Produkten reduziert sich der Bestand.

Bei Erreichen der definierten Meldebestände fordert der Automat neue Ware an, bevor die Artikel nicht mehr verfügbar sind. Wenn nun auch die Lagerplätze im Filiallager mit einer entsprechenden Sensorik ausgestattet sind, dann lassen sich die Warenbewegungen lückenlos vom Wareneingang über das Filiallager in den Automaten und über die Kasse nachvollziehen. Damit ist das Thema Mitarbeiter- Diebstahl bzw. Diebstahl durch Servicekräfte erledigt. Was hier zunächst „ganz einfach“ klingt, scheitert in der Praxis leider allzu häufig an fehlenden intralogistischen Prozessen in den Filialen. Hier muss der Handel besser werden, wenn er wirksam gegen Diebstahl und Outof- Stock vorgehen will. Eine Alternative ist der Einsatz von offenen Warensicherungsträgern. Gute Erfahrungen gibt es hier z.B. im Bereich OTP (Feinschnitt, Blättchen, etc.). Eine durch den Kunden oder wahlweise per Funk durch eine Kassenkraft zu öffnende Klappe verhindert das schnelle Ausräumen der Ware (Massendiebstahl). Die Klappe ist mit einem akustischen Alarmgeber verbunden, der bei Öffnen der Klappe eine Sound-Datei abspielt (zum Beispiel: „Tabakwaren nur an Jugendliche über 18 Jahren“). Durch dieses akustische Signal wird die anonyme Zone des potenziellen Diebes zerstört; die Gefahr, entdeckt zu werden, steigt, ebenso der Stresspegel des Diebes. Hat sich ein mutiger (bzw. dreister) Dieb von der ersten akustischen Keule noch nicht abschrecken lassen, so wird nach der akustischen Aufforderung des Alarmgebers, die Klappe wieder zu schließen, letztlich ein Alarm ausgelöst, der nicht nur am Regal für Lärm sorgt, sondern darüber hinaus auch beim Ladenpersonal aufläuft. Der Einsatz solcher offener Warensicherungsträger führt zu einer Reduktion der Diebstahlquoten um bis zu 90 Prozent, bei gleichzeitig stabilem Absatz.

Diese offenen Warensicherungsträger lassen sich für einen Großteil der gängigen Diebstahlfavoriten, wie Kosmetik und Parfüm, Spirituosen, Tabakwaren, Multimedia-Produkte (Konsolenspiele, Smartphones, Speichermedien, CD/DVD), Accessoires und Taschen einsetzen und – richtig eingesetzt – können sie sogar zu einer besseren Warenpräsentation führen. Fakt ist, heute werden weniger als zwei Prozent aller Diebstähle erkannt und angezeigt, daraus ergibt sich, dass täglich(!) über 85.000 Ladendiebstähle mit einem Warenwert von je 80 Euro unentdeckt bleiben (Quelle: EHI Inventurdifferenz-Erhebung 2014). Natürlich macht es keinen Spaß, Geld dafür auszugeben, dass man nicht beklaut wird. Also: Machen Sie doch aus der Not eine Tugend und nutzen Sie die Investition in die Diebstahlvermeidung gleichzeitig zur Erhöhung der Warenverfügbarkeit und eine schönere Warenpräsentation. Der ehrliche Kunde wird es Ihnen danken! In diesem Sinne: Happy Shopping!

Oliver Voßhenrich, Geschäftsführer und Category Manager, POS TUNING Udo Voßhenrich GmbH & Co. KG, Bad Salzuflen.

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