Flexheader3

News

Platz ist in der kleinsten Hütte

Platz ist in der kleinsten Hütte © P.O.S Kompakt

Foto: Copyright: P.O.S. Kompakt
POS kompakt 02/2015

Seit Jahren ist ein Trend klar erkennbar: Der Handel braucht mehr Platz. Wachsende Sortimente und ein gestiegenes Bedürfnis der Shopper nach einer Wohlfühlatmosphäre, welches sich durch niedrige Regale für eine bessere Übersicht im Markt und breitere Gänge bemerkbar macht, sind nur einige Gründe, warum selbst im Discount-Bereich der Platzbedarf in der Filiale in den letzten Jahren um 50% gestiegen ist. Reichten früher noch 800m² so findet man heute in den Neuplanungen kaum noch eine Discount-Filiale unter 1.200m², im Supermarktbereich geht unter 1.500m² ebenfalls nichts mehr.

Zu dem wachsenden Platzbedarf kommen für die Händler aber noch weitere Herausforderungen. Nicht nur ältere Leute kaufen gerne wohnortnah ein, auch die Generation Y verzichtet zunehmend auf das Auto und steigt auf den öffentlichen Personen-Nahverkehr um. So ist es kaum verwunderlich, dass die Händler versuchen, gerade in Ballungsräumen ihrem Nahversorgerauftrag nachzukommen, indem sie vermehrt Filialen in Innenstadtlagen oder zumindest zentrumsnah eröffnen, zumal der Einzelhandel auch vermehrt eine Freizeitfunktion erfüllt, indem er Raum für Treffen und Gespräche bietet. Genauso spiegelt sich die steigende Nachfrage natürlich in den Mietpreisen wieder.

Und so beißt sich die Katze in den Schwanz: Auf der einen Seite der gestiegene Platzbedarf, auf der anderen Seite räumliche Beschränkungen. Doch nicht nur die „natürliche“ räumliche Enge in Zentrumsnähe bereitet den Händlern Kopfschmerzen. Hinzu kommen aufwändige Genehmigungsverfahren unter Einbeziehung der Bevölkerung. Hier zeigt sich: Was wirtschaftlich sinnvoll ist und für ein attraktives Lebensumfeld sorgt, wird oftmals im Keim erstickt. Baumaßnahmen, Abrissaktionen, Fassadenveränderungen, geänderte Verkehrswegeführungen, all diese bösen Wörter werden nur allzu gerne im politischen Machtspiel der Parteien genutzt um auf Kosten der innerstädtischen Entwicklung auf Wählerfang zu gehen. Oftmals mit Erfolg. So ist die Zahl der LEH-Geschäfte von 2006 bis 2013 um fast 27% auf gut 37.000 Geschäfte gesunken. Dabei traf es besonders die kleinen Supermärkte (bis 1.000m²), bei denen in 2014 ein weiterer Rückgang um 8,7% auf nunmehr nur noch knapp 10.000 Märkte gab .

Als Konsequenz ergeben sich weniger Märkte mit größerer Fläche und höherem Umsatz pro Markt. Doch Umsatz pro Markt täuscht. Betrachtet man die Flächenproduktivität (also Umsatz pro qm) so lässt sich feststellen, dass diese kontinuierlich gesunken und seit Jahren auf einem moderaten Niveau stabil ist. Mehr Fläche heißt also nicht höhere Produktivität, aber das hat wohl auch nicht ernsthaft jemand erwartet? Stellt sich also die Frage, wie der gordische Knoten „Platzbedarf vs. Platzmangel“ bei möglichst positiver Flächenproduktivität zu lösen ist. Der Schlüssel liegt – wie so oft – im Detail. Die Reduktion der Regalhöhen auf durchschnittlich 1,60m kostet bei Beibehaltung der Regalbodenabstände einen Boden. Bei Reduktion der Regalböden erschwert sich jedoch der Zugriff und der Blick auf die Ware – es sei denn, alle Produkte stehen permanent an der Front des Warenträgers, also im besten Sicht- und Griffbereich.Oftmals steht der Reduktion der Regalbodenabstände aber auch die Preisschiene im Weg. Viele Händler nutzen mittlerweile 50mm hohe Scannerschienen, um alle Informationen auf dem Preisetikett unterzubringen. Die Notwendigkeit für die großen Etiketten rührt dabei nicht nur von der zunehmenden Kurzsichtigkeit der immer älter werdenden Shopper, sondern insbesondere von der Unterbringung von logistischen und administrativen Informationen, die der Händler für die Bestandsführung und die Nachbestellung benötigt.

Eine Lösung sind Pendel-Scannerschienen. Diese ermöglichen eine einfache Entnahme und ein einfaches Zurückstellen von Produkten. Ebenfalls lassen sich bei Pendelschienen die logistischen Informationen auf der Rückseite des Etiketts unterbringen. Wenn nun der Händler Ware nachbestellen möchte, muss er lediglich die Pendelschiene anheben und kann die Barcodes auf der Rückseite nutzen. Durch die beidseitige Nutzung der Schiene lässt sich die Gesamthöhe der Scannerschiene bei gleichzeitig besserer Gestaltung der „Shopperseite“ deutlich reduzieren.

Eine andere Möglichkeit findet sich in der (Tief-)Kühlung. Hier werden oftmals Drahtböden eingesetzt, bei denen die Scannerschiene ebenfalls nach unten aufbaut. Bei Einsatz von Böden mit Aufkantung schließt die Scannerschienen bündig mit der Unterkante der Böden ab und ermöglicht so den freien Zugriff auf die Ware im unteren Fach. Die Aufkantung verhindert gleichzeitig ein Herausfallen der Ware aus dem Fachboden und dient als Anschlag für etwaig eingesetzte Regalordnungssysteme. Um eine optimale Sicht auf die Ware zu ermöglichen, werden verstärkt Vorschubsysteme mit Rampe eingesetzt, welche die vordere Packung zur besseren Sichtbarkeit und Entnahme leicht anheben. Um dem Shopper ein möglichst ruhiges und sauberes Regalbild zu präsentieren, werden meist alle Böden einer Regalzeile auf einer Ebene eingesetzt, denn Versprünge innerhalb der Regalzeile erschweren die Orientierung. Damit bestimmt aber das jeweils höchste Produkt in einer Zeile den minimalen Regalbodenabstand. Wenn nun also das höchste Produkt – sagen wir – 25cm hoch ist und andere Produkte nur 10cm hoch sind, dann verschenkt der Händler unendlich viel Platz in der Regalzeile. An diesen Stellen im Regal findet der Shopper oft gestapelte Ware.Ohne den Einsatz von Hilfsmitteln ist aber sowohl die Übersicht, die Orientierung als auch die Sichtbarkeit und Erreichbarkeit der Ware extrem eingeschränkt, ganz zu schweigen von den Problemen der Verräumung und (temporären) Wiederherstellung der Regalordnung.

Gute Dienste leisten hier sogenannte „Brücken“ oder Zwischenböden. Die Brücken werden oftmals produktspezifisch vom Hersteller des Produktes zur Verfügung gestellt. Die Brücke wird auf dem Regalboden platziert, bietet alle Möglichkeiten für eine optimale Produktplatzierung und Präsentation und dient gleichzeitig noch als Stammplatzsicherung. Der Zwischenboden bietet sich an, wenn sich alle Produkte auf dem betroffenen Boden in mehreren Ebenen präsentieren lassen. Der Zwischenboden dient dabei als strukturierendes und ordnendes Element. Die Ware lässt sich durch Fachteiler sauber trennen und bei Einsatz von Warenvorschubsystemen stellen die reduzierten Eingriffshöhen kein Problem dar. Dem Shopper bietet sich ein aufgeräumtes und gut sortiertes Warenbild.

Untersuchungen in Drogeriemärkten haben gezeigt, dass sich durch die Nutzung von Brücken und Zwischenetagen ein zusätzliches Platzangebot von durchschnittlich 40 Prozent, bei einigen Sortimenten, wie z.B. Zahnpasta, Mundpflege oder Schokolade sogar über 100 Prozent, also doppelt so viel Ware auf gleicher Stellfläche, schaffen lässt. Je enger gestapelt die Ware präsentiert wird, desto wichtiger werden für den Shopper Orientierungshilfen am Regal. Farbcodes am Regal (z.B. durch Einziehstreifen für die Scannerschienen), Segmentfahnen, Regalordnungssysteme und Warenvorschübe erleichtern die Orientierung für den Shopper, reduzieren die Suchzeiten und – da mehr Ware auf kleinerem Platz untergebracht wird – reduzieren sich am Ende des Tages auch die Wege für den Shopper.

Ein weiteres ungenutztes Potenzial bieten die Filial-Läger. Zugegeben – das ist die Hohe Kunst des Handels. Aber bei einer 24h Logistik (z.T. werden Filialen sogar mehrmals am Tag angefahren) könnte man bei kleineren Märkten ja mal überlegen, auf das Filiallager gänzlich zu verzichten und die Fläche als Verkaufsraum zur Verfügung zu stellen. Auto-Dispo und Bestandssensoren helfen heute schon in vielen Bereichen, dass der richtige Bestellpunkt und die richtigen Bestellmengen automatisch ermittelt werden. Wenn nun die Bestellmengen noch auf den im Regal aktuell verfügbaren Platz (d.h. unter Berücksichtigung der Restware) abgestimmt werden, dann ließen sich alle Produkte direkt im Regal verräumen, ein Filiallager wäre nicht mehr notwendig. Das würde auch das Risiko von Abschriften und von Inventurdifferenzen reduzieren.

Also, liebe Händler, warum nicht mal die vorhandenen, kleineren Märkte (oftmals in Innenstadtlage) nutzen, anstatt mit viel Aufwand und langen Genehmigungsverfahren neue und größere Märkte zu bauen? Außerdem: Wenn Sie mit 25% weniger Mietfläche ein annähernd gleiches Sortiment fahren können wie mit 25% mehr Mietfläche, sparen Sie 25% Miete. Und das ist gerade in den 1a Lagen der Metropolen kein Pappenstiel. Die Mieteinsparung könnte man dann z.B. in zusätzliches Ladenpersonal investieren, welches für permanente Warenverfügbarkeit und inspirierende Kundenberatung sorgt. Ihre Shopper werden es Ihnen danken!

In diesem Sinne: Happy Shopping!

Oliver Voßhenrich, Geschäftsführer und Category Manager, POS TUNING Udo Voßhenrich GmbH & Co. KG, Bad Salzuflen

Die Kolumne als PDF Datei herunterladen

Log in

fb iconLog in with Facebook
DMC Firewall is a Joomla Security extension!