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Grüner Daumen und Flower-Power

Grüner Daumen und Flower-Power © pixabay.com

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POS kompakt 03/2015

Wie die Energiewende den Einzelhandel beflügelt. Als Kanzlerin Merkel den Ausstieg aus der Atomenergie proklamierte, machte sich zunächst Panik breit. Ist die Energieversorgung gesichert? Ist Energie auch morgen noch bezahlbar? Mittlerweile gilt Deutschland als Vorreiter in Sachen Öko-Energie. Im Jahr 2013 betrug der Anteil der erneuerbaren Energien in Deutschland bereits 38,7 Prozent. Die Wende zu regenerativen Energien ist eine globale Herausforderung, die aus rein technischer Sicht bis 2030, aus politischer Sicht bis zum Jahr 2050 umgesetzt werden könnte.

Der Weg zum Ziel der Bundesregierung, bis 2050 die Energieversorgung überwiegend durch erneuerbare Energien zu gewährleisten, ist jedoch lang und teuer. Bereits 2011 rangierten deutsche Haushalte und Unternehmen auf Platz zwei der OECD-Länder mit den höchsten Stromkosten. Nur in Dänemark ist Strom noch teurer. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Über eine weitere Verschärfung der Energieeinsparverordnung (EnEV) für Nicht-Wohngebäude (also auch Handelsimmobilien), muss der zulässige Jahresprimärenergiebedarf ab 2016 um 25 Prozent unter dem heutigen Referenzwert liegen – das kostet!

Doch nicht nur die Umwelt und die Kosten sind ein guter Grund für die Energiewende. Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe betragen die Kosten für Energie-Importe in Deutschland ca. 70 Prozent der gesamten Rohstoff-Importkosten. Das heißt, ohne Energie aus dem Ausland geht heute in Deutschland das Licht aus. Und auch außerhalb Deutschlands hat man die Endlichkeit der fossilen Rohstoffe erkannt. So gibt es in mindestens 144 Staaten weltweit Ausbauziele für erneuerbare Energien, darunter auch in 95 Entwicklungs- und Schwellenländern. Ganz vorne finden wir hier wieder einmal unsere Freunde aus China, nicht zuletzt auf Grund der katastrophalen Smog- und Feinstaubsituation der Jahre 2013 und 2014. In absoluten Zahlen hat China Deutschland als Vorreiter in Sachen Ökostrom längst überholt. So war 2013 China Weltmarktführer in der Herstellung und im Einsatz von Windkraftanlagen, Solarzellen und Smart-Grid-Technologien; zudem ist das Land sowohl der größte Investor in regenerative Energien als auch der weltweit bedeutendste Ökostromproduzent. Die Energiewende geht auch einher mit einer „Demokratisierung“ der Energieherstellung. In Deutschland sind die Verbraucher heute noch abhängig vom Energie-Oligopol der vier großen Energieversorger. Die Entwicklung hin zu regenerativer Energie haben die großen Vier aber wohl verschlafen. Nur 6,5 Prozent der erneuerbaren Energien steuern sie zum Energiemix bei. Hier greift einmal mehr das Paradigma der „disruptiven Technologie“ von Clayton M. Christensen. Die stark sinkenden Preise für die Herstellung regenerativer Energien wird die Macht der großen Energieversorger weiter erodieren. So sind z.B. die Modulpreise für Photovoltaik von 6–7 $/Watt im Jahr 2000 auf 0,5– 0,6 $/Watt im Jahr 2013 gesunken.

Doch die Energiewende ist auch eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit zwischen einzelnen Generationen. Was heute unwiderruflich verbraucht wird, steht in der Zukunft nicht mehr zur Verfügung. Obendrein müssen die zukünftigen Generationen dann noch mit den Hinterlassenschaften der fossilen Ausbeutung leben. Aber welche Auswirkungen hat die Energiewende auf den Einzelhandel? Energiesparende Maßnahmen in Geschäftsräumen und Lagern helfen nicht nur, die Umwelt zu schonen. Sie senken auch Kosten. Verantwortungsvolles Handeln trägt außerdem zum Reputationsgewinn eines Unternehmens und somit zur Kaufentscheidungen bei.

So hat die REWE z.B. Energieeffizienz, Emissionsreduktion und Ressourcenschonung zum Teil seiner Unternehmensstrategie gemacht. Bis 2022 will das Unternehmen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2006 halbieren. Bei EDEKA Südwest wird für jeden neu geplanten Markt und jeden Umbau ein Energiekonzept, bestehend aus energieeffizienten Heizungs-, Lüftungs- und Kälteanlagen sowie sparsamen Leuchtmitteln, moderner LED-Technik oder innovativen Wärmerückgewinnungssystemen erarbeitet. Laut EDEKA Südwest werden mittlerweile ca. 93.000 Quadratmeter Verkaufsfläche mit energiesparender LEDBeleuchtung betrieben. Auch LIDL ist auf den Zug aufgesprungen und spart Energie. Laut LIDL verbraucht die neue Filialgeneration 100 Prozent weniger Heizenergie und hat 30 Prozent weniger CO2-Ausstoß im Vergleich zu einem herkömmlichen Lebensmittelmarkt. Dieses Ergebnis wird hauptsächlich durch die Nutzung der Abwärme aus den Kühlregalen erzielt.

ALDI setzt beim Thema Energie auf die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. So wird in einigen Filialen u.a. Tageslicht gezielt eingesetzt, um Energie zu sparen. Durch eine Feinsteuerung des Lichteinfalls wird eine übermäßige Licht- bzw. Wärmeeinstrahlung auf die Waren verhindert. Flachglasöffnungen in der Decke verteilen das Tageslicht gleichmäßig über den Verkaufsraum. Microraster in den Scheibenzwischenräumen steuern den Licht- bzw. Wärmeeinfall. Speziell geformte Quer- und Längslamellen reflektieren dabei die aus südlicher Himmelsrichtung auftreffende direkte Sonneneinstrahlung und verhindern so die unerwünschte Aufheizung des Innenraums.1)

Laut der letzten Energiestudie des EHI Retail Institute belaufen sich die jährlichen Energiekosten (Strom, Gas, Heizöl etc.) im Nonfood Bereich im Schnitt auf 36,25 Euro je Quadratmeter Verkaufsfläche (qm/VKF), das entspricht +17,5 Prozent seit 2009. Im Food-Handel liegt der Durchschnittswert aktuell bei 62,95 Euro je Quadratmeter Verkaufsfläche (qm/VKF), dies ist ein Plus von 22 Prozent seit 2009. Für die kommenden Jahre werden durchschnittliche Steigerungsraten von 8,5 Prozent pro Jahr erwartet – Haupttreiber: die EEG-Umlage. Betrachtet man die Verteilung des Energieverbrauchs, so entfallen ca. 90 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs auf die Filialen, 8 Prozent auf die Logistik und 2 Prozent auf die Verwaltung. Energie sparen kann der Handel also insbesondere in der Filiale vor Ort. Im Nonfood-Bereich ist die Beleuchtung mit 53 Prozent der größte Energieverbraucher, gefolgt von der Klimatisierung mit 22 Prozent und der Heizung mit 14 Prozent des durchschnittlichen Gesamtenergieverbrauchs. Im Food-Bereich ist die Kühlung mit 41 Prozent der größte Energieverbraucher, gefolgt von der Beleuchtung mit 27 Prozent, der Klimatisierung mit 14 Prozent und der Heizung mit 10 Prozent des durchschnittlichen Gesamtenergieverbrauchs. So ist es auch nicht verwunderlich, dass lt. der genannten EHI-Studie 86 Prozent der Befragten in effiziente Beleuchtungssysteme investieren wollen, auch wenn von vielen die Unübersichtlichkeit des Marktangebotes bei fehlenden einheitlichen Standards hinsichtlich Lichtfarbe, Effizienz und Lebensdauer beklagt wird.

Bei Energiesparmaßnahmen im Bereich Licht muss die Beleuchtung der Verkaufsflächen von sonstigen Räumen unterschieden werden. Während auf der Verkaufsfläche eine optimale Wareninszenierung und eine atmosphärische Grundbeleuchtung notwendig sind, können in Nebenräumen und im Außenbereich Zeit-, Helligkeits- und/oder bedarfsabhängig gesteuerte Regeltechnik beim Sparen helfen. Für die Wareninszenierung eignen sich insbesondere Regalvorsatzleuchten, welche das Licht von vorne auf das Facing der Produkte werfen. Im Bereich der Kühlung ist neben der Nutzung der Abwärme der Austausch gegen moderne Geräte (im Mittel ca. 20 Prozent weniger Energieverbrauch) und hier insbesondere der Einsatz von Glastüren vor den Kühlregalen sinnvoll. Generell sollte der Händler dann darauf achten, dass die Produkte hinter den Türen gut sichtbar sind, so dass sich die Türöffnungszeiten auf die Zugriffszeiten reduzieren und der Shopper nicht erst lange in der Kälte nach dem gesuchten Produkt wühlen muss.

Die Furcht vor hohen Investitionen zur Optimierung der Energieeffizienz ist in den meisten Fällen unbegründet. Unterstützung bietet beispielsweise das Energieeffizienzprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Es fördert deutschlandweit Investitionen im Rahmen der Initiative „Energieeffizienz im Mittelstand“. Die KfW unterstützt aber nicht nur bei Investitionen, sondern auch bei der Zahlung von Honoraren an Energieberater. Die besten Maßnahmen helfen jedoch nichts, wenn der Mensch nicht mitzieht. Die Metro Group zum Beispiel hat daher ein unternehmensweite „Energy Awareness-Programm“ eingeführt. Es soll bei den Mitarbeitern das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Energie schaffen. Und falls Sie ein besonders innovatives und erfolgreiches Konzepte zur Energie-Einsparung umgesetzt haben, dann sollten Sie sich beim EHI um den Energiemanagement Award (EMA) bewerben, frei nach dem Motto: Tue Gutes und rede darüber. In diesem Sinne: Happy Shopping!

Oliver Voßhenrich, Geschäftsführer und Category Manager, POS TUNING Udo Voßhenrich GmbH, & Co. KG, Bad Salzuflen

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1) Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft Presseinformationen > Aldi Süd-Supermärkte – energetisch optimiert –  Forschung Kompakt Februar 2013 – Thema 3

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