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Effizientes Shoppen

Effizientes Shoppen © P.O.S Kompakt

Foto: Copyright: P.O.S. Kompakt
POS Kompakt 04/2015

Was kaufen Sie lieber? Toilettenpapier oder Schokolade? Die Antwort liegt nah... Denn für das Shopping gibt es zwei Hauptmotivationen: die Bedarfsdeckung und die (Selbst-) Belohnung. Während ersteres eine Notwendigkeit darstellt, ist die (Selbst-)Belohnung emotional motiviert.

Heute kann der Shopper beide Missionen in Kombination erledigen: Erst wandern Toilettenpapier und Wasser in den Einkaufswagen und auf dem Weg zur Kasse folgt die (Selbst-)Belohnung mit einer Tafel Schokolade aus der Süßwarenabteilung. Bei der Selbstbelohnung spielen Inspiration, Neugierde und Genuss (Frische, Geschmack) eine große Rolle. Zeit und Geld sind eher von untergeordnetem Interesse. Ganz anders sieht es bei der Bedarfsdeckung aus: Hier wird versucht, die notwendigen Waren in möglichst kurzer Zeit zu möglichst optimalen Kosten auf dem besten Wege an den Ort des Verbrauchs zu schaffen, also in der Regel in die eigenen vier Wände.

Doch wie stellt sich der Handel heute auf die unterschiedlichen Shopping-Missionen und die damit verbundenen Gemütslagen seiner Shopper ein? Während in den emotional getriebenen Sortimenten viel mit Licht, Farben, sogar mit Geruch und akkustischer Untermalung gearbeitet wird, werden Toilettenpapier und Wasser „bevorratet“. Die Gestaltung und damit die Wahrnehmung der Warenpräsentation ist also deutlich unterschiedlich. Und wie wird der Shopper bei seiner Bedarfsdeckungsmission unterstützt, die da lautet, in möglichst kurzer Zeit alle notwendigen Waren zum besten Preis zu shoppen? An dieser Stelle möchte ich den Vergleich mit der gewerblichen Kommissionierung wagen. Denn: Am Ende des Tages ist die persönliche Bedarfsdeckung im Laden und die gewerbliche Kommissionierung im Lager von den Abläufen her identisch. Doch während der Kommissionierer vom Arbeitgeber bezahlt wird, muss der Shopper für seine Arbeit am Ende noch bezahlen. Insofern ist es verständlich, dass im gewerblichen Bereich die Effizienz der Kommissionierung einen anderen Stellenwert hat, als beim Shoppen im Laden.

Wenn ich die Wahl hätte zwischen zwei Einkaufsstätten, dann würde ich diejenige wählen, bei der ich die Bedarfsdeckung mit minimalem Aufwand erledigen könnte. Hinzu kommt: je schneller ich mit der Bedarfsdeckung fertig bin, desto mehr Zeit bleibt mir für die (Selbst-)Belohnung. In dem Zusammenhang ist interessant, dass Forscher herausgefunden haben, dass die meisten Menschen ein fest definiertes Zeitfenster für das Shoppen haben (bei Männern ist dieses Zeitfenster übrigens in der Regel deutlich kleiner als bei Frauen). Wie also kann der Handel die Bedarfsdeckung der Shopper effizienter gestalten? Schauen wir dazu doch einmal in den gewerblichen Bereich. Frei nach dem Motto „Miss es oder vergiss es“ wird die Effizienz der Tätigkeiten über Kennzahlen ermittelt und bewertet. Während sich die Kennzahl „Picks pro Stunde“ direkt auf die Effizienz der Kommissioniertätigkeit bezieht, beeinflussen die Kenngrößen „Anzahl Lagerspiele“, „Umschlagshäufigkeit“, „Sicherheitsbestand/ Meldebestand“ die Effizienz mittelbar. Im gewerblichen Bereich werden REFA-Techniken angewandt, um Tätigkeiten in ihre Einzelbestandteile zu zerlegen und die wertschöpfenden Haupttätigkeiten von den Neben- oder Zusatztätigkeiten zu trennen.

Um die Bedarfsdeckung effizient zu gestalten, müssen die Neben- und Zusatztätigkeiten möglichst reduziert oder sogar ganz eliminiert werden. Dabei sollte ein besonderes Augenmerk auf den Störungen (Waren nicht vorhanden oder Ware wird gerade verräumt) liegen. Es ist kein Geheimnis, dass die meisten „Out-of-Stock“ Situationen in Wahrheit „Out-of-Shelf“ Situationen sind. D.h. die Ware befindet sich zwar im Laden, aber nicht im Regal, wo der Shopper sie auch kaufen kann. Hier greift einmal mehr die alte Logistiker-Weisheit „Buchen oder suchen“. Während heute maximal der Wareneingang im Laden gebucht wird, ist die Umbuchung vom Wareneingang bzw. dem Filiallager auf die Fläche noch die klare Ausnahme. Warum? Weil der manuelle Buchungsaufwand als zu hoch eingeschätzt wird. Anders sieht es aber aus, wenn die Verräumung der Ware im Regal durch Sensoren automatisch erkannt wird und die Umbuchung automatisch erfolgt. In diesem Fall hat der Händler die Gewissheit, dass die Ware, die er eingebucht hat, auch vom Shopper gekauft werden kann. Die „Out-of-Stock“ Quote lässt sich damit drastisch reduzieren. Die Wegezeiten lassen sich über eine geschickte Anordnung der Warenbereiche reduzieren. Eine einfache und deutlich erkennbare Kennzeichnung der einzelnen Warenbereiche im Laden sorgt für schnelle Orientierung und damit eine Reduktion der Suchzeiten. Hierfür lassen sich im Shop die Scanner-Schienen nutzen. Durch farbige Einziehstreifen lassen sich unterschiedliche Warensortimente im Regal einfach kennzeichnen und sind so schnell auffindbar. Generell gilt für Kennzeichnungs- und Orientierungssysteme: Je einfacher, desto besser. Farben und Bilder verarbeitet das menschliche Gehirn um ein Vielfaches schneller als Kleingedrucktes auf den Preisetiketten.

Außerdem ist nicht zu vergessen: Je weiter ich schwere und unhandliche Ware transportieren muss, desto höher ist der notwendige Energiebedarf und desto geringer ist die Restenergie, die für Belohnungen übrig bleibt. Bei der Anordnung der Waren im Regal ist insbesondere auf die Ergonomie der Arbeitsabläufe zu achten. Häufiges Bücken und Heben erschwert die Arbeit und verlangsamt den Kommissionierprozess. In der gewerblichen Kommissionierung wird Bücken und Heben durch Hebehilfen unterstützt. So etwas würde ich mir z.B. für Wasserkisten im Getränkemarkt wünschen. Bücken lässt sich auch vermeiden, in dem man die Ware auf ein angenehmes Entnahmeniveau hebt. Im Einzelhandel finden sich hierfür vermehrt Lift-Systeme, z.B. in Kühltruhen Bei älteren und kleineren Personen ist die Sicht- und Greifbarkeit der Waren im Regal besonders wichtig. Die Warenentnahme wird in der gewerblichen Kommissionierung durch Durchlaufregale vereinfacht. Diese sorgen dafür, dass über die Schwerkraft die Restware wieder in Reichweite der Kommissionierer rutscht. Die gleiche Aufgabe erledigen im Handelsregal Gleitsysteme und Vorschubsysteme.

Eine ordentliche Ausleuchtung der Waren am Regal sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Steht die Ware jedoch nicht an der Front der Warenträger, helfen auch hochmoderne Raum- und Spotbeleuchtungen nicht weiter. Im gewerblichen Bereich werden häufig die Tätigkeiten „Pick“ und „Pack“ unterschieden. Entweder lässt sich die Kommissionierung von der Verpackung trennen oder die kommissionierte Ware wird direkt nach dem Picken verpackt. Dafür müssen die Packhilfsmittel (Einkaufstüten) direkt am Kommissionierwagen (Einkaufswagen) angebracht sein. Das Problem beim Einkaufen: Nachdem ich die Ware kommissioniert und verpackt habe, muss ich sie am Kassenband wieder auspacken, bezahlen und danach wieder verpacken. Das ist nicht wirklich effizient. In der gewerblichen Kommissionierung scannt der Picker die Ware direkt nach der Entnahme und bestätigt damit, dass er die richtige Ware in der richtigen Menge kommissioniert hat.

Das „Self-Scanning“ im Einzelhandel spart zwar Personalkosten beim Händler, bürdet aber dem Shopper zusätzlichen Aufwand auf. Zeit spart der Shopper höchstens, weil die Warteschlangen an den Self-Scanningkassen kürzer sind. Ein Self-Scanning am Regal hat sich bislang nicht durchgesetzt. Die Shopper finden es zu kompliziert und der Händler kann schlecht prüfen, ob der Shopper auch wirklich alles gescannt hat. An dieser Stelle lohnt sich auch noch einmal die Diskussion über online vs. instore shopping. Alle Techniken, die der Handel einsetzen kann, um den Shoppern ein effizientes Einkaufen zu ermöglichen, helfen in gleichem Maße auch bei der Kommissionierung von Online-Einkäufen in bestehenden Filialen. Die Händler, die heute bereits die Voraussetzungen für eine optimale Shopping-Effizienz schaffen, sind ,morgen bestens vorbereitet, wenn die Bedarfsdeckung und die damit verbundenen Mühen eben nicht mehr durch die Shopper selbst vor Ort wahrgenommen werden, sondern durch die eigenen Mitarbeiter, die in den Filialen die Online-Einkäufe kommissionieren, packen und versenden. Und dann ist auch das Scannen der Ware direkt am Regal durch den Kommissionierer das Gebot der Stunde und sorgt für eine hohe Effizienz. In diesem Sinne: Happy Shopping!

Oliver Voßhenrich, Geschäftsführer und Category Manager, POS TUNING

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