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Wenn jemand eine Reise tut...

Wenn jemand eine Reise tut... © pixabay.com

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POS kompakt - Ausgabe 11/2012

... so kann er was erzählen – das wusste schon der Dichter Matthias Claudius. Oliver Voßhenrich hat sich am schwedischen Point of Sale umgesehen. Eine Reise in den hohen Norden führt uns in die Heimat von ICA, einem der größten nordischen Lebensmittelhändlern. Das Unternehmen wurde bereits im Jahre 1938 gegründet und gehört heute einem Joint-Venture von Hakon Invest AB und Royal Ahold N. V. Von insgesamt über 2.200 Märkten werden in Schweden über 1.300 unter dem Label „ICA" betrieben, zum Teil durch selbstständige Kaufleute. Vom kleinen Nahkauf- Lebensmittelladen (ICA Nära) bis hin zu Hypermärkten (MAXI ICA Stormarknad) deckt ICA verschiedene Bedürfnisse je nach Region und Kundengruppe ab. Einen solchen MAXI ICA kann man in der Nähe von Stockholm besuchen.

Ich möchte Sie mitnehmen auf einen Store-Check und ein paar interessante Eindrücke vom Konzept der Skandinavier vermitteln. Kostenlose Parkplätze sind rar im Solna Business Park, und so bin ich froh bei der Einfahrt in die Tiefgarage zu lesen, dass ICA Kunden für zwei Stunden frei parken dürfen. Dies ist in skandinavischen Stadtgebieten längst nicht selbstverständlich. Die Einhaltung der Parkzeiten wird über Parkscheiben, die über einen Spender zur freien Verfügung gestellt werden, überwacht.

Ich komme in den Eingangsbereich und erblicke eine Wand mit der Überschrift „ICA Självscanning" mit geparkten Handscannern für die Kunden. Dank dieser mobilen Einkaufshelfer, mit denen alle eingekauften Artikel direkt am POS eingescannt werden können:

  • behält der Shopper zu jeder Zeit des Einkaufs den Überblick über seine Bonsumme
  • ermittelt er selbstständig und schnell Preise bei nicht ausgezeichneten Produkten
  • vermeidet er Wartezeit an den Kassen
  • kennt er Sonderpreise für bestimmte Artikel, die per Självscanning gekauft werden
  • entfällt das stressiges Ein- und Ausräumen der Ware an der Kasse

Die Ware wird bereits im Markt in die eigenen Einkaufstaschen gepackt. Beim Passieren der Kassenzone werden die Daten aus den mobilen Handscannern per WLAN an das Kassensystem übertragen und die Bezahlung erfolgt, bis auf Stichproben, ohne weitere Kontrolle. Bis zu 50 Prozent der Kunden nutzen dieses System heutzutage, laut ICA in allen Kundengruppen. Es ist lediglich eine ICA Kundenkarte und eine vorherige Registrierung benötigt.

Nun fällt mein Blick auf drei Automaten, die Ware, welche vorab im Markt gepickt, gescannt und bezahlt wurde, ausgeben. Die Verbannung bestimmter Warengruppen aus dem Selbstbedienungsbereich der Ladenfläche nimmt in Skandinavien aus verschiedenen Gründen zu. So holt der ICA-Kunde seine Tabak-, Arznei- oder Intimprodukte vor Verlassen des Marktes am Automaten ab. Und auch der nicht eingeweihte Ausländer erkennt dank übersichtlicher Schautafeln sofort, wie das System funktioniert. Und weiter geht der Storecheck auf der Suche nach nützlichen Techniken, die den Einkauf möglichst effizient mit weiteren Besorgungen verbinden. Ein DVD-Filmverleih- Automat zum Beispiel, daneben ein Verkaufstresen für Lottotipps, Sportwetten, Tabakwaren und Raucherzubehör.

Ich passiere die Schwenktüren mit einem darüber hängenden riesigen Bildschirm, der auf aktuelle Aktionsartikel hinweist und bemerke die Schilder, die auf eine Apotheke direkt auf der Ladenfläche hinweisen. Blumen und Pflanzen gleich als erste Abteilung – das ist clever. Zum einen sind sie in der Regel gute Umsatzbringer, zum anderen fördern sie den Eindruck von Qualität und Frische in der Wahrnehmung des Kunden. Dies bestätigt sich, als ich meinen Gang durch den Markt fortsetze. Das Warenangebot ist sehr groß, ich sehe kaum Regallücken durch ausverkaufte Produkte und die Regale wirken aufgeräumt, sauber und modern. Wie überall in Skandinavien werden auch hier vielfach Draht- oder Gitterböden verwendet. Diese sind geschlossenen Böden in zwei Aspekten überlegen. Erstens wirken sie nicht so schnell verschmutzt, der Staub fällt einfach hindurch. Zweitens scheint das Licht durch sie hindurch und wird so besser genutzt. Natürlich fällt mir der breite Einsatz von Regalordnungssystemen sofort ins Auge. Warenvorschübe sind in vielen Abteilungen Standard. Gebäudepfeiler sind platzsparend mit einem flexiblen Warenträgersystem verkleidet.

Für die schweren Molkereiprodukte, die aus Kühlräumen rückseitig auf die Regale verräumt werden, sind Rollenbahnen installiert – das sieht ordentlich und übersichtlich aus. Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss auf die Reduzierung der Regalpflegeaufwendungen, denn laut Labour Cost Index haben die Schweden im europäischen Vergleich mit die höchsten Lohnkosten. Auf meinem Weg durch den Markt bleibe ich kurz vor einer auffälligen Wand stehen, die einen ganzen Gang ausfüllt. Die sogenannten „Pick & Mix"-Systeme für Süßwaren, die wir in Deutschland hauptsächlich von Straßenmärkten oder aus Kinofoyers kennen, sind in Schweden sehr verbreitet. Die in Spendern befindlichen losen Zuckerwaren sind perfekt ausgeleuchtet und holen das Maximum aus dieser ohnehin impulskaufstarken Warengruppe heraus. Hinzu kommt die perfekte Platzierung der „Quengelware" direkt vor der Kassenzone. Und so bin ich auch schon am Ende meines Rundgangs angelangt. Beim Betrachten der Kassenzone fallen mir noch einige Details auf. Die Leuchtkästen mit den Kassentischnummern wirken zwar übertrieben groß, helfen aber der Orientierung ungemein, besonders auch alten Menschen. Diakästen zeigen das Titelblatt der beiden beliebtesten Abendzeitungen Schwedens, die hinter den Kassen verkauft werden. Flachbildschirme geben Musikvideos und Produktinformationen im Wechsel wieder, um eine gegebenenfalls auftretende Wartezeit in der Schlange zu überbrücken. Dieses Problem habe ich nicht, aufgrund der Tageszeit ist es noch relativ leer. Und wer hier in Schweden nicht gerne an der Kasse ansteht, kann sich ja beim Självscanning anmelden... In diesem Sinne: Lycklig shopping!

Oliver Voßhenrich, Geschäftsführer und Category Manager, POS TUNING

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