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Flucht nach vorn!

Flucht nach vorn! © pixabay.com

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POS kompakt - Ausgabe 05/2014

Wer momentan die Gazetten liest, dem fällt auf, dass die einstigen Stars am Lebensmittel-Handelshimmel mit großen Herausforderungen konfrontiert sind. Nach Carrefour und Metro steht zunehmend auch der britische Handelsriese TESCO im Fokus der Berichterstattung. Lange Zeit die unangefochtene Nummer eins im britischen Einzelhandel, kämpft TESCO derzeit an mehreren Fronten. Im Kampf gegen die Wettbewerber aus Deutschland nutzt TESCO seine Marktmacht, um mit den CPG-Herstellern die nächste POS-Evolutionsstufe zu zünden.

Aldi und Lidl bedienen mittlerweile über 8% (7% im Vorjahr) des britischen Lebensmittel-Einzelhandels, in dem jährlich ca .160 Mrd. Pfund umgesetzt werden. Damit setzen die beiden deutschen Discounter die etablierten britischen Retailer, allen voran TESCO, aber auch Waitrose, Sainsbury's und Morrisons unter Druck. So hat Tesco kürzlich die Preise für Grundnahrungsmittel wie Milch, Mehl und Eier um ca. 30% nach unten senken müssen, um der anhaltenden Käuferabwanderung entgegen zu wirken. So kostet ein Liter Milch heute statt 1,50 Pfund nur noch 1 Pfund. Die Frage ist nur, wie lange TESCO mit seinen Strukturen den Preiskampf mit den erfahrenen deutschen Discountern aushalten kann.

Dass man gegen den deutschen Discount nicht über den Preis sondern über Konzepte ins Feld zieht, beweisen derzeit Ketten wie Waitrose. Trotz der starken deutschen Konkurrenz, die im Vergangenen Jahr +36% (Lidl) bzw. +28% (Aldi) zugelegt hat, kann auch Waitrose am oberen Ende der Retail-Konzepte +6% zulegen, wohingegen TESCO 4% verliert. Sicher darf man nicht außer Acht lassen, von welcher Basis die jeweiligen Spieler kommen, aber sicher ist es für TESCO ein klares Warnsignal, dass sie dieses Jahr erstmals weniger als 30% Marktanteil haben und die Umsätze in Summe um ca. 4% zurück gegangen sind. Lt. Kamal Ahmed, BBC Business Editor, sei dies gar die schlimmste Krise bei TESCO seit 20 Jahren. So ist es fast nur konsequent, dass die Finanzchefin Laurie McIlwee und der TESCO Chef Philip Clarke ihren Hut nehmen mussten.

Doch TESCO wäre nicht TESCO, wenn es sich nicht auch dieser Herausforderung stellen würde. Der kürzlich eröffnete Pilot Store in Watford zeigt wohin die Reise mit einem neuen und ansprechenden Shopkonzept geht. Aber wie immer in wirtschaftlich angespannten Situationen ist natürlich die erste Aufgabe, Kosten zu sparen. Am POS entstehen die meisten Kosten durch das Verräumen bzw. das Vorziehen der Ware im Regal. Bei TESCO heißt dies „Rumble" und findet zweimal täglich statt. Diesen Prozess hat sich TESCO im Detail angeschaut und hat die Konsumgüter-Industrie mit ins Boot geholt, um alle Potenziale heben zu können. War TESCO schon bislang ein großer Verfechter des „Shelf Ready Packaging", so haben die Engländer nun in einer groß angelegten Kampagne die Hersteller aufgefordert , zukünftig die Sekundärverpackung so zu gestalten, dass sich möglichst alle Produkte noch einfacher ins Regal räumen lassen. Auch das Vorziehen der Ware soll zukünftig komplett entfallen. Dafür investiert TESCO in sogenannte „Self-Facing" Technologie.

Im Blog des „Grocery Insights" (http://www.groceryinsight.com/blog/2014/02/news-a-very-interesting-tesco-replenishment-development/) wird davon berichtet, dass in den ersten Kategorien bereits positive Effekte erzielt worden sind und ein Shopper schreibt, dass er es kaum erwarten kann, diese Technologie in seinem TESCO zu finden, da diese ihm das Shoppen deutlich vereinfachen werde.

Interessant dürfte in diesem Zusammenhang auch der Einfluß des neuen CEO Dave Lewis sein. Vom Konsumgüterriesen Unilever kommend wird er sicher einen noch größeren Wert auf TESCO als Marke legen. Und dazu zählt insbesondere das Erscheinungsbild der Filialen und dort insbesondere die Attraktivität, Ordnung und Orientierung am Regal. Schon in der Vergangenheit hat Unilever bewiesen, dass mit diesen Werten die Marke am Point of Sale gewinnt. So betonte Paul Poleman, CEO von Unilever, wie wichtig die Visibilität der Marke am Point of Sale für den Erfolg ist. Nachdem TESCO bereits zum Jahreswechsel in über 900 Stores die Entertainment Abteilung auf Self Facing umgestellt hat folgt nun der nächste Schritt mit der Ausrüstung der Frozen Food Abteilung in über 500 Stores.

Das Feedback von den Marktmitarbeitern und den Kunden sowie die positive Entwicklung der Testfilialen waren ausschlaggebend für diese Entscheidung. Um die vollen Potenziale des Front-Facing heben zu können, hat sich TESCO mit ausgewählten Herstellern von Front-Facing-Technologie auf den Weg gemacht, das Handling der Produkte im Regal zu optimieren. In sogenannten Labs arbeiten TESCO-Mitarbeiter aus den einzelnen Kategorien mit den Spezialisten daran, wie sich trotz Einsatz von Front-Facing-Technologie Sortimente einfach umbauen lassen (Re-Planogramming) und wie auch Ware, die in der Regel im Regal gestapelt wird, sich automatisch an die Front der Warenträger transportieren lässt.

Der Einsatz zahlt sich aus: Geordnete Regale, weniger manueller Aufwand in der Regalpflege, gut sicht- und greifbare Produkte an der Front der Warenträger - die Shopper danken es TESCO. Auch wenn dies sicher nur ein kleiner Baustein auf dem Weg aus der Kriese ist, so wird es aber doch einer der Bausteine sein, die insbesondere dem Shopper zu Gute kommen. Probieren Sie es doch einfach selbst aus, wenn Sie demnächst mal wieder in England sind. In diesem Sinne: Happy Shopping!

Oliver Voßhenrich, Geschäftsführer und Category Manager, POS TUNING

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