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Coole Normen

Coole Normen © P.O.S Kompakt

Foto: Copyright: P.O.S. Kompakt
POS-Kompakt 08/2014

Normen bilden heute die Basis für Verständigung, Austausch und Wachstum. Das hat auch die europäische Union erkannt und normt heute fast alles, angefangen bei der Währung bis hin zu Bananen oder den Abständen von Grillstäben bei Grillrosten (im Übrigen 20 Millimeter, damit die Bratwurst nicht in die Kohlen fällt). Hilfreiche Normen im Ladenbau sucht man allerdings oft vergeblich.

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als es in Europa Grenzen gab und man bei Reisen ins Ausland vorher Geld in die entsprechende Währung wechseln musste? Oder haben Sie schon mal probiert mit „normalem" Werkzeug ein englisches Auto zu reparieren? Können Sie sich vorstellen, welche Probleme es im Mittelalter gab, als jedes Dorf seine eigenen Eichgewichte hatte? Man muss gar nicht bis in die Eiszeit zurückgehen um zu erkennen, dass die Zivilisation, in der wir heute leben, ohne gemeinsame Normen nicht weit gekommen wäre. Es gibt DIN Normen, ISO-Normen, Normungsgremien wie das VDA oder den VDI, Normen für Schrauben, Qualitätsmanagement, Hygiene, usw. Aber bei der Suche nach Normen im Ladenbau wird es ganz dünn. Einzig das „Ladenbau und Ladenmarketing-Lexikon" aus der Umdasch Shop Academy scheint mir ein relevanter Treffer zu dem Thema zu sein.

Aus Sicht des Handels ist das Fehlen von Normen ein Riesenproblem. Unterschiedliche Achsmaße, unterschiedliche Lochabstände, diverse Bodenausführungen, dazu noch Coole Normen? Bodentypen mit und ohne U-Sicke, mit Aufkantung, ohne Aufkantung, aus Draht, aus Blech, aus Glas. Sobald Bauteile ausgetauscht oder nachgeordert werden müssen, fängt das große Rätselraten an.

Der Hang zur Individualisierung im Handel spielt hier lt. Angela Krause vom dlv sicher eine Riesenrolle. Viele Ladenbauer sind heute mehr als GU denn als Hersteller von Möbeln unterwegs. Niemand will mehr einen „Shop von der Stange", aber was sind die Konsequenzen von zu viel Individualisierung, insbesondere im technischen Bereich? Ein besonderer Spaß ist dies im Bereich der Tiefkühlmöbel. Da die meisten Hersteller Böden am Markt zukaufen, ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass sich in den Filialen eines Händlers, zum Teil aber sogar in den Filialen selbst, völlig unterschiedliche Böden in den Tiefkühlgeräten finden.

Bei Tiefkühlgeräten spielt sicherlich in erster Linie eine Rolle, wie hoch der Energiebedarf ist. Aber letztendlich ist ein Tiefkühlgerät ein Warenträger für bestimmte Produktgruppen. Umso verwunderlicher ist es, dass vielfach gar keine Möglichkeiten gegeben sind, z.B. handelsübliche Scannerschienen an den Etagen zu befestigen. Noch schwieriger wird es, wenn man Regalordnungs-Systeme in der Kühlung installieren möchte. Dies stand bislang offensichtlich nicht im Fokus der Hersteller. Hinzu kommt die Tatsache, dass die meisten großen Hersteller von Kühlgeräten mittlerweile internationale Großunternehmen mit Zentrale außerhalb Deutschlands sind.

Eine Normierung im Bereich der Tiefkühlböden hätte für den Handel – aber auch für die Hersteller von TKProdukten – riesige Vorteile:

  • Produktverpackung und Regalbzw. Türbreiten könnten aufeinander abgestimmt werden; heute findet man Kühlmöbel, bei denen die Produkte hinter den Türpfosten stehen und nur schwer zu entnehmen sind.
  • Einige Konsolen von Tiefkühlmöbel ragen soweit nach unten in die Präsentationsfläche hinein, dass sich Produkte zwischen Konsole und Regalboden verklemmen können.
  • Ein einheitlicher Bodentyp z.B. aus Draht mit Aufkantung würde die stabile und einfache Befestigung von Scanner und Adaptionsschienen für Regalordnungssysteme ermöglichen.
  • Anstatt das Licht in die Türpfosten zu integrieren könnte man mit einer Anbringung der LED's am Boden (z.B. in einer genormten Aufnahmeschiene für Preise, Licht und
  • Ordnungssysteme) alle Stellplätze gleichmäßig ausleuchten und somit noch mehr Impuls generieren.
  • Durch die Nutzung von Regalordnungs- und Platzierungssystemen würde sich die Übersichtlichkeit in den Schränken für den Shopper erhöhen, gleichzeitig reduziert sich die Türöffnungsdauer und damit der Energieverbrauch

Tiefkühlmöbel-Hersteller, die erkennen, welche Chancen sich durch die Berücksichtigung der Handelsbedürfnisse ergeben und ihre Böden entsprechend umgestalten (auch wenn dies sicher keine einfache Aufgabe in international agierenden Unternehmen ist), öffnet sich ein Riesenpotenzial, denn der Handel investiert in die Warengruppe Tiefkühl. Lt. einer Untersuchung der Munich Strategy Group aus dem Jahr 2012 hat TK ein Marktvolumen von 11,42 Mrd. EUR und ein jährliches Wachstum von 5,7 Prozent. 76 Prozent aller Haushalte kaufen regelmäßig Tiefkühlprodukte. Bis 2020 soll das Marktvolumen auf min. 13 Mrd. EUR angewachsen sein. Damit ist TK das am stärksten wachsende Segment in der deutschen Ernährungsindustrie. Und auch hier ist es so, dass der Wachstumstreiber Nummer eins Innovationen sind. D.h. das Handel und Industrie intelligente Platzierungsmöglichkeiten für schnell wechselnde und wachsende Sortimente benötigen. Einige Handelsketten wie z.B. REWE oder TESCO haben mittlerweile klare Absprachen mit den Herstellern von Kühlmöbel, wie Böden in neuen Kühlmöbeln auszusehen haben.

Die Branche würde von einer Bodennorm im TK-Bereich insgesamt profitieren, denn – wie eingangs bereits erwähnt – bilden Normen die Basis für Verständigung, Austausch und Wachstum. In diesem Sinne: Happy Shopping!

Oliver Voßhenrich, Geschäftsführer und Category Manager, POS TUNING

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